Last Chance Tourism: Ein gefährlicher Trend?

Last Chance Tourism: Ein gefährlicher Trend?

Einmal auf die Malediven reisen, bevor sie im Meer versinken. Einmal am Great Barrier Reef tauchen, bevor es vollständig verblasst ist. „Last Chance Tourism" – der Trend, Orte zu bereisen, die aufgrund des Klimawandels schon bald nicht mehr besichtigt werden könnten – wurde vom Wirtschaftsmagazin Forbes zum Reisetrend 2018 gekürt. Doch die zunehmenden Touristenzahlen sorgen dafür, dass diese Orte noch schneller verschwinden.

Ob die Mangrovenwälder in den Everglades Floridas, das Great Barrier Reef vor der Küste Australiens oder die Eisberge in der Antarktis – sie alle sind vom Klimawandel bedroht. Steigende Meeresspiegel, Erderwärmung, Erosion, Abholzung und wachsende Städte haben zur Folge, dass diese Lebensräume nach und nach verschwinden. So erwärmen sich die Gletscher im Glacier Nationalpark in Montana beispielsweise doppelt so schnell wie der Rest des Planeten. Von ursprünglich 150 Gletschern sind heute nur noch 25 übrig. Wissenschaftlern zufolge wird auch der Großteil davon bereits im Jahr 2030 vollständig geschmolzen sein.

Statt neuer Ideen zum Erhalt und Schutz dieser Orte, entwickelt sich daraus ein neuer Reisetrend. Dass diese Naturwunder noch zu unseren Lebzeiten verschwinden könnten, macht sie für Touristen und Reiseanbieter noch attraktiver. Die Chance, einen „letzten Blick" zu erhaschen, nutzen immer mehr Reisende. Dabei schaden sie den gefährdeten Orten noch mehr. Sie stapfen unachtsam durch die Vegetation, tragen fremde Organismen in das Ökosystem ein, werfen ihren Müll weg und erhöhen den CO2-Ausstoß durch ihre Reisen. Vielerorts werden die Touristenströme deshalb schon genauestens kontrolliert, wie zum Beispiel auf den Galapagosinseln.

Was früher Wissenschaftlern vorbehalten war, bieten mittlerweile viele Kreuzfahrtgiganten an. Wer Polarbären in ihrem natürlichen Lebensraum beobachten möchte, reist mit dem Schiff in die kanadische Stadt Churchill in Manitoba. Bei so einer Fernreise von England aus fallen bis zu 8,6 Tonnen CO2 pro Person ab. Das entspricht fast der Menge an Kohlenstoffdioxid, die eine Person im Jahr produziert. Dabei bedenken die meisten gar nicht, dass sich ihr CO2-Fußabdruck durch ihre Reisen noch vergrößert. Bei einer Umfrage unter Touristen, die zum Teil zehntausende Kilometer zum Great Barrier Reef zurückgelegt haben, gaben 70 Prozent an, dass sie es sehen wollten „bevor es zu spät ist". Dennoch zählten sie ihre eigene Reise nicht zu den begünstigenden Faktoren für den Verfall des Riffs. Entgegen der Hoffnung fördert der „Last Chance Tourism" also nicht das Umweltbewusstsein.

Gegenbewegung: Entschleunigtes Reisen

Heute leben immer mehr Menschen unter dem Motto „Die Welt ist mein zuhause". Selbst weit entfernte Reiseziele sind mit dem Flugzeug im Nu und günstig zu erreichen. Reisen ist nicht mehr Luxus, sondern Hobby geworden. Doch anstatt die Ziele wirklich zu erleben, hat sich das Ganze mehr und mehr zu einem „Selfie-Tourismus" entwickelt. Hauptsache man kann von sich behaupten, dort gewesen zu sein.

Eine Gegenbewegung zu diesem Trend ist das sogenannte „Slow Travelling". Dabei kommt es nicht darauf an, möglichst viele Sehenswürdigkeiten in möglichst kurzer Zeit zu sehen. Vielmehr geht es darum, einen Gang runter zu schalten und der Hektik des Alltags zu entsagen. Sich die Zeit zu nehmen, die Umgebung bewusst zu erleben. Und zwar nicht an den überlaufenen Tourismusmagneten, an denen die Massen bloß abgefertigt werden, sondern auch mal abseits der ausgetretenen Pfade.

Zum „Slow Travelling" gehört auch die nachhaltige Fortbewegung. Statt mit dem Flugzeug oder auf der Autobahn, geht es mit dem Rad, dem Zug oder auf der Landstraße vorwärts. All inclusive Hotels, die gar nicht erst zum Verlassen der Anlage ermutigen, werden gegen private Ferienwohnungen (Bed & Breakfast, Berghütte, House Sitting, etc.) getauscht. Große Restaurant- und Supermarktketten sind Tabu, stattdessen werden lieber lokale, kleine Händler unterstützt. Reiseführer und Handys bleiben zuhause. Den Ort entdeckt man einfach auf einem Streifzug oder man fragt Einheimische. Das entschleunigte Reisen spart nicht nur Stress, sondern gewährt auch einen unverfälschten, authentischen Eindruck vom Reiseziel.

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