Auf Blütenhöhe! Frühblüher fotografieren

Auf Blütenhöhe! Frühblüher fotografieren

Erst kommen sie zögerlich, doch dann geht es Schlag auf Schlag! Wie durch Zauberhand sind Wiesen und Waldböden plötzlich mit Schneeglöckchen, Krokussen, Narzissen, Märzenbechern und anderen Schönheiten übersäht. Auch die Bäume und Büsche zeigen zarte Triebe und Magnolien und Kirschbäume stehlen sich gegenseitig die Show. Fotoplattformen wie Instagram zeigen in dieser Phase des Jahres überdeutlich, wie gern wir Menschen die zarten Frühlingsboten ablichten. Doch viel schöner als ein schnelles Handyfoto von oben sind detaillierte Aufnahmen, denen man ansieht, dass sich der Fotograf Zeit genommen hat. Wie wäre es also mit einer gemütlichen Tour in den nächsten Wald oder Park?

Dazu brauchen Sie:

  • Kamera (Kompaktkamera mit großem Zoombereich, System- oder Spiegelreflexkamera)
  • Schaumstoffkissen oder Plastiktüte
  • Bohnensack oder kleines Stativ

Je nach Möglichkeit:

  • Fernauslöser
  • Makroobjektiv

Für einen kreativen Twist:

  • Stirnlampe
  • Sprühflasche mit Wasser

Grundsätzlich sind Frühblüher leicht zu finden. Schon ab Januar hat jede Art ihre individuelle Blütezeit. Sie können also einfach immer wieder losziehen oder sich eine Lieblingsblume aussuchen und ihre Blütezeit herausfinden. Wer zu spät kommt, ärgert sich am Ende über verwelkte Pflanzen im Bild. Neben der Blütezeit gibt das Internet auch Aufschluss über bestimmte Wuchsorte. Und wenn Sie letztes Jahr schon eine tolle Stelle entdeckt haben, gehen Sie ruhig wieder dort vorbei. Schließlich sind viele Frühblüher so genannte Zwiebelblüher: Die Zwiebel verbleibt in der Erde und bringt jedes Jahr im Frühling eine neue Pflanze hervor. Aber Achtung: Zum Wohl der Natur sollten Sie die vorgegeben Wege nicht verlassen.

Licht und Perspektive

Auch wenn Detailaufnahmen möglichst viel Licht brauchen, sollten Sie das grelle Mittagslicht vermeiden. Es erzeugt meist keine ansprechende Stimmung auf dem Foto. Besser sind die Morgen- und Abendstunden. Da die Sonne im Winter aber nicht ganz so hoch am Himmel steht und früh untergeht, eignet sich auch der Vor- oder Nachmittag. Im Wald oder Park werfen Bäume und Sträucher schon genug Schatten über die Frühblüher. Wählen Sie daher einen möglichst sonnigen Tag.

Für eine möglichst ansprechende Perspektive gilt die Devise: Ab nach unten! Sie werden sich beim Fotografieren auch mal setzen, hinknien oder gar hinlegen wollen, doch im Frühjahr ist der Boden oft sehr feucht. Hier kommt das Schaumstoffkissen oder zur Not die Plastiktüte ins Spiel. Mit diesen Hilfsmitteln bleiben Sie trocken und können eine möglichst angenehme Position einnehmen. Um die Kamera möglichst nah am Boden zu benutzen, können Sie diese auf einen Bodensack legen oder ein kleines Stativ verwenden. Ist die Kamera sicher positioniert, machen Techniken wie das manuelle Fokussieren gleich viel mehr Spaß. Die Schärfeneinstellung kann sehr empfindlich sein und durch den Druck auf den Auslöser verändert werden. Daher eignet sich auch ein Fernauslöser sehr gut für das Fotografieren von Frühblühern.

Besonders reizvolle Bilder entstehen, wenn Sie den so genannten Bokeh-Effekt nutzen. Sie befinden sich nah am Objekt (dem Krokus, Schneeglöckchen usw.), während der Hintergrund (weitere Blüten, Gras, Äste usw.) weiter entfernt ist, die Blendenzahl ist niedrig. Im Idealfall und nach ein paar Versuchen haben Sie den Frühblüher scharf im Vordergrund, während die restlichen Strukturen sehr weichgezeichnet und gerade noch zu erkennen sind. Dieser Effekt kann vielen Bildern eine harmonische Spannung verleihen.

Kreative Kombinationen

Wenn Sie genug Bilder von zarten Blütenstrukturen gemacht haben, wollen Sie vielleicht einen Schritt weiter gehen oder ihren Bildern zusätzlichen Charme verleihen. Mit einer Stirn- oder Taschenlampe können Sie beispielsweise die Lichtstimmung manipulieren. Ist es eigentlich schon zu dunkel, nutzen Sie die Lampe als Gegenlichtspender und fotografieren Sie den Frühblüher als Schattenriss. Das ist nur eine von vielen Möglichkeiten: Experimentieren lohnt sich!

Oder Sie nehmen eine Sprühflasche mit und simulieren einen zarten Frühlingsregen. Hierzu sollten Sie sich einen Helfer mitnehmen. Er sprüht aus einiger Entfernung Wasser auf die Blüten, während Sie fleißig auf den Auslöser drücken. Gerade in Kombination mit Sonnenlicht können dabei wunderschöne Bilder entstehen. Achten Sie auf eine kurze Verschlusszeit, um die fliegenden Wassertröpfchen möglichst scharf abzulichten. Und auch, wenn Ihnen ein romantisches „Morgentau"-Foto das frühe Aufstehen nicht wert ist, leistet die Sprühflasche gute Dienste.

Natürlich können Sie die Frühblüher auch in Kombination mit anderen Motiven fotografieren. Auf den Blüten sitzende Insekten sind schon etwas anspruchsvoller, da sie einen Fluchtreflex haben. Bleiben Sie daher möglichst weit auf Distanz, vermeiden Sie plötzliche Bewegungen und wählen Sie auch hier eine kurze Verschlusszeit.

Bringen Sie Leben in den Hintergrund. Ein Bild wirkt gleich viel dynamischer, wenn hinter den Blüten eine Wasserfläche in Bewegung ist, Menschen spazieren gehen und so weiter. Im sanften Abendlicht wirken auch Landschaftsaufnahmen mit Frühblühern im Vordergrund sehr harmonisch.

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