Moore in Deutschland

Moore in Deutschland

Moore wurden früher nicht besonders geschätzt und sogar gefürchtet. Hier erfahren Sie mehr über diese faszinierende Landschaftsform – und warum sie dringend Schutz braucht. Zum Schluss stellen wir noch drei sehenswerte Moorlandschaften in Deutschland vor.

Vom Schauermoor zur Naturperle

„O schaurig ist's übers Moor zu gehn, wenn der Röhrich knistert im Hauche!" Nicht nur die Dichterin Annette von Droste-Hülshoff wusste vom unheimlichen Charakter des Moores. Die meisten unserer Vorfahren konnten den nassen, unwegsamen Gebieten nicht viel abgewinnen, denn sie eigneten sich weder zum Ackerbau noch zur Viehzucht. Man erkannte das Moor damals nicht als den wertvollen Lebensraum, den es darstellt. Stattdessen begannen die Menschen, den Mooren das Wasser zu entziehen. Dieser „Kampf" gegen die Natur führt sich bis heute fort – mit dramatischen Folgen. Rund 95 Prozent der ursprünglichen deutschen Moorfläche gilt heute als tot. Diese Flächen wurden entwässert, abgetorft oder für die Landwirtschaft genutzt.

Torfabbau gefährdet Moore

Gerade die Torfgewinnung sorgt nach wie vor dafür, dass unsere Moore verschwinden. Viele Gärtner wissen gar nicht, dass sie mit der „Blumenerde" aus dem Handel vor allem Torf erwerben. Man macht sich dabei die Eigenschaft des Torfs zunutze, sehr viel Wasser speichern zu können. Das ist praktisch, weil weniger oft gegossen werden muss. Allein in Deutschland werden jedes Jahr rund zehn Millionen Kubikmeter Torf für den Gartenbau verbraucht. Dabei müsste das gar nicht sein! Es gibt mittlerweile torffreie Blumenerde, die den wertvollen Rohstoff unangetastet lässt. Dank einer Mischung aus Rindenhumus und verschiedenen Fasern und Mineralen werden die Pflanzen trotzdem optimal versorgt. Mehr Informationen zum Thema „Torffrei gärtnern" gibt es unter anderem auf den Seiten des NABU.

Lebensraum und Klimaretter

Was genau macht denn die Moore nun so wertvoll? Sie können zum Beispiel eine große Hilfe im Hochwasserschutz sein. Naturnahe Moorlandschaften wirken wie ein Schwamm: Sie speichern große Mengen Wasser und geben sie anschließend nur sehr langsam wieder ab. Schadstoffe im Wasser werden außerdem von den Moorpflanzen gespeichert – man nennt Moore und andere Feuchtgebiete daher auch „Nieren der Landschaft". Diese Eigenschaft wirkt auch dem Klimawandel entgegen. Moore bedecken zwar nur noch drei Prozent der Landfläche unserer Erde, trotzdem ist in ihnen doppelt so viel Kohlenstoff gebunden wie in allen Wäldern weltweit! Wird der Torf nun abgebaut, reagiert der Kohlenstoff mit der Luft und gelangt als Kohlendioxid in die Atmosphäre. Außerdem entsteht Lachgas, welches ebenfalls extrem schädlich für unser Klima ist. Die Moorzerstörung verursacht mittlerweile fünf Prozent des Klimagas-Ausstoßes in Deutschland.

Außerdem sind Moore ein extrem wichtiger Lebensraum für unzählige Tier- und Pflanzenarten. Seltene Vögel wie Birkhuhn und Bekassine finden ihre letzten Rückzugsgebiete in den Mooren, von Insekten, Amphibien und selten gewordenen Pflanzen ganz zu schweigen.

Schwarzes Moor in der Rhön

Dieses eindrucksvolle Hochmoor liegt unmittelbar in der Nähe des Dreiländerecks Hessen-Bayern-Thüringen. Es gehört zum UNESCO-Biosphärenreservat Rhön und zählt zu den bedeutendsten Mooren in Mitteleuropa. Besucher können das Gebiet über einen knapp drei Kilometer langen Bohlenweg erkunden. Zahlreiche Hinweistafeln liefern spannende Informationen über das Leben im Moor; der Weg ist für Rollstuhlfahrer und Kinderwagen geeignet.

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Murnauer Moos bei Garmisch-Partenkirchen

Hier handelt es sich immerhin um das größte zusammenhängende naturnah erhaltene Moorgebiet in Mitteleuropa. Auf einem 12 Kilometer langen Rundwanderweg gelangt man von einem Lebensraum in den nächsten. Moore, Feuchtwiesen und Wälder fügen sich zu einem ganz besonderen Naturmosaik zusammen und bieten zahlreichen Tieren einen Lebensraum. Es gibt geführte Mooswanderungen und den „Panoramastadl Murnauer Moos" – ein Aussichtspunkt, der einen grandiosen Blick über das Moos und das Wettersteinmassiv dahinter bietet.

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Teufelsmoor in Niedersachsen

Diese rund 500 Quadratkilometer große Moorlandschaft wurde erst im 17. und 18. Jahrhundert von Menschen besiedelt. Trotzdem hatten sie noch genug Zeit, ein umfangreiches Entwässerungsnetz anzulegen und jede Menge Torf abzubauen. Heute versucht man teilweise, das Gebiet zu erhalten und wiederzuvernässen. Mitten in der Moorlandschaft liegt die malerische Künstlerkolonie Worpswede. Für das Moor selbst werden jedes Jahr verschiedenste Aktionen wie Führungen, Radtouren, Vorträge und Torfkahnfahrten angeboten. Wer es ganz gemütlich haben will, nimmt den Moorexpress: Seit über 100 Jahren besteht diese reizvolle Bahnstrecke zwischen Bremen und Stade. Der historische Zug bietet reizvolle Blicke ins Moorgebiet und nimmt auch Radfahrer gerne mit.

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