Große Stücke in der Hansestadt:

Das Hamburger Theaterfestival

Das Hamburger Theaterfestival

Bevor das Hamburger Theaterfestival stattfinden kann, geht Intendant Nikolaus Besch auf Reisen. Genauer gesagt: auf Theaterreisen. Kreuz und quer fährt er durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und schaut sich verschiedenste Inszenierungen an. Was er für sehenswert hält, wird auf die Bühnen der Hansestadt eingeladen. Dieses Mal fand seine Suche sogar unter erhöhtem Zeitdruck statt, denn das Hamburger Theaterfestival, das bisher im Herbst stattfand, findet ab diesem Jahr im Frühsommer statt. Damit bekommen Häuser, wie das Thalia Theater, wieder mehr Raum für ihre Premieren und Wiederaufnahmen.

In der antiken Klammer

In lauer Frühlingsluft heißt es also vom 6. Mai bis zum 13. Juni: Vorhang auf! Gleich zwei antike Stücke bilden den Rahmen des Spielplans, den Anfang macht „Die Orestie" (Aischylos), eine Produktion des Wiener Burgtheaters. Antú Romero Nunes inszeniert die Trilogie über das Haus des Königs Agamemnon mit einem weiblichen Ensemble. Vor allem Schauspielerin Caroline Peters dürfte vielen Zuschauern aus Fernsehproduktionen wie „Mord mit Aussicht" bekannt sein. Sie ist auch in der Abschlussinszenierung des Festivals zu sehen, die ebenfalls vom Burgtheater kommt: Peters spielt die Titelrolle in „Medea". Regisseur Simon Stone mischt Euripides’ antike Tragödie mit der realen Geschichte eines Familiendramas aus den USA der 90er Jahre. Beide Produktionen finden im Deutschen Schauspielhaus Hamburg statt.

Von Terror bis Pyjama

„Ein Stück für zwei Schauspieler und eine Uhr" – diese Umschreibung von Daniel Kehlmanns „Heilig Abend" lässt erahnen, dass es alles andere als besinnlich zugeht. Sophie von Kessel und Michele Cuciuffo schlüpfen in die Rollen einer vermutlichen Terroristin und eines Polizisten, der sie verhört – 90 Minuten lang. Unter der Regie von Thomas Birkmeir kommt das in Echtzeit inszenierte Stück von der gigantischen Bühne des Münchener Residenztheaters ins viel kleinere St. Pauli Theater – was die Spannung nur steigern dürfte.

Arthur Schnitzler bestimmt ja das Geschehen auf so mancher deutschen Bühne. Das Wiener Theater Josefstadt kommt jedoch mit einer echten Seltenheit in die Hansestadt: „Der einsame Weg". Mateja Koležnik inszeniert mit ihrem Ensemble den Verfall einer Familie, allerdings so, dass es wirklich unter die Haut geht.

Aus dem Deutschen Theater Berlin bereichert „Cry Baby" den Spielplan. René Pollesch lässt im Thalia Theater eine postmoderne Pyjama-Party steigen – unter anderem ist Sophie Rois eingeladen. „Sie ist die Lichtgestalt im Nachthemd" schreibt die Berliner Morgenpost – und gefochten wird auch. Was will man mehr?

Ein Shakespeare-Geheimnis und der neue Loriot

Erstmals wird es auch eine Eigenproduktion des Festivals geben. Der frühere Burgtheater-Intendant Matthias Hartmann inszeniert – ja, was? Auf jeden Fall ein Shakespeare-Stück, der genaue Titel bleibt aber noch geheim. Wer neugierig ist, findet das Rätsel an drei Abenden (31. Mai bis 2. Juni) in der kleinen Kampnagel-Halle K2 gelöst.

Wer es gern noch dramatischer hätte, richtet seine Schritte am 20. Mai gen Thalia Theater, denn dort liest Schauspieler und Synchronsprecher Ulrich Matthes – ganz klassisch – Schiller-Balladen. Und am 6. Juni kommt die Talkreihe „Zündstoffe" ins St. Pauli Theater. Schauspieler und Komiker Olli Dietrich ist dort mit dem Thema „Mir ist so komisch – worüber lachen wir? Und wenn ja, warum?" konfrontiert, das Gespräch führt Journalist Kester Schlenz. Falls Sie Olli Dittrich nicht kennen: Er gilt als der einzig wahre Nachfolger Loriots – und das sagte sogar Loriot selbst.

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