Historisch durch den Bodden: Zeesboote

Historisch durch den Bodden: Zeesboote

Relikte der traditionellen Fischerei

Zeesenboote (plattdeutsch Zeesboote) haben vor allem eines: Wiedererkennungswert. Die robust gebauten, etwa zehn Meter langen Gefährte bestehen meist aus Eichenholz und verfügen über mehrere Segel in charakteristischem Braun. Die Fischer, die lange Zeit die Hauptnutzer dieser Boote waren, schützten ihre Segel früher mit Eichenrinde, Ockererde, Leinöl und Rindertalg vor dem Wetter. Jeder Fischer hatte dabei seine ganz eigene Rezeptur. So entstand die Farbe, die heute ein Markenzeichen der Kähne ist. Weil sie nur wenig Tiefgang haben, sind sie vor allem für flache, ruhige Gewässer geeignet. Das machte sie seit dem 15. Jahrhundert zu beliebten Fischerbooten in den pommerschen Boddengewässern und im Stettiner Haff (eine Lagune der Ostsee). Wenn Fische gefangen werden sollten, segelten die Fischer quer zum Wind und zogen ein großes Schleppnetz, die Zeese, hinter sich her. Von dieser Technik erhielten die Boote ihren Namen. Je nach Maschengröße des Netzes fischte man Hecht, Zander, Aal oder Stint.

Zeesboote heute

Mit dem vergangenen Jahrhundert hielt die industrielle Fischerei Einzug, das Handwerk des Zeesens war nicht mehr erfolgreich genug. Dass die Boote heute immer noch auf dem Wasser sind und nicht im Museum verstauben, ist vor allem dem Tourismus zu verdanken. Gerade auf der Halbinsel Fischland Darß-Zingst gibt es kaum einen Hafen ohne Angebotsschilder für Zeesbootsfahrten. Solche Segeltörns sind ein tolles Erlebnis, weil die meisten Boote liebevoll restauriert wurden und so einen direkten Sprung in die Vergangenheit ermöglichen. Die Gäste können sich den Wind um die Nase wehen lassen und den Skippern dabei zuschauen, wie sie die oft zehn Tonnen schweren Holzboote geschickt über das Wasser lenken. So eine Tour ist natürlich auch eine schöne Gelegenheit, um die Tier- und Pflanzenwelt der Boddenlandschaft aus einer ganz neuen Perspektive zu erleben. An bestimmten Tagen wird sogar das Zeesen, also die traditionelle Fischerei, noch mit den historischen Booten durchgeführt.

Rundfahrten und Regatten

Törns mit den Zeesbooten starten in Fischland Darß-Zingst in den Häfen Althagen, Wustrow, Dierhagen, Zingst, Ribnitz, Born, Bodstedt und Wieck. Abfahrtszeiten und weitere Informationen gibt es direkt an den Häfen oder in den Tourist-Informationen der Orte.

Wer die schnittigen Boote eher aus der Ferne bewundern möchte, kann im Sommer an einer der großen Regatten teilnehmen. Schon 1965 wurde die erste Wettfahrt mit den Zeesbooten veranstaltet. Bis heute sind die Spektakel in den Boddenhäfen sehr beliebt. Segelliebhaber und Zuschauer treffen sich, um gemeinsam das maritime Erbe der Region aufleben zu lassen. Und die „kleinen Brüder" der Zeesboote, die so genannten Netzboote, dürfen auch nicht fehlen. Die Fischer nutzten sie, um bei ihren Netzen und Reusen auf dem Bodden nach dem Rechten zu sehen. Heute gibt es einmal im Jahr die „Kleine Fischländer Wettfahrt" in Wustrow, an der circa 40 Netzboote teilnehmen.

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