Nachhaltig reisen

Nachhaltig reisen

Reisen macht glücklich. Wir warten ungeduldig auf den nächsten Urlaub, erweitern unseren Horizont und teilen stolz die Fotos unserer Abenteuer. Manche Menschen sagen sogar Nein zum festen Wohnsitz und machen ihr ganzes Leben zu einer Reise. Gerade in der jüngeren Generation liegt es nicht wirklich im Trend, Wurzeln zu schlagen – schließlich war es noch nie so einfach wie heute, schnell an einen anderen Ort zu gelangen. Ein paar Stunden im Flugzeug, schon kann der Entspannungsurlaub am Golf von Mexiko oder in der Karibik beginnen.

Viele Weltenbummler vergessen jedoch, dass ihr Fernweh nicht nur positive Auswirkungen hat. Neben dem boomenden Tourismus, der in vielen Urlaubsländern seine Spuren hinterlässt, sind vor allem Flugreisen ein Problem. Flugzeuge stoßen viel zu viel CO2 aus, verstärken so den Treibhauseffekt und damit die extrem gefährliche Erderwärmung.

Immerhin informieren sich immer mehr Menschen über die Auswirkungen ihrer Reisen und versuchen, möglichst verantwortungsvoll auf dem Planeten unterwegs zu sein. Nachhaltiges Reisen (oder auch sanfter Tourismus) bedeutet, seine Urlaubsziele so umzusetzen, dass Kultur und Natur dadurch keinen Schaden nehmen. Es geht also nicht nur darum, ökologische Grenzen zu beachten, sondern auch soziale. Ein respektvoller Kontakt zwischen Touristen und Einheimischen ist ebenso wichtig wie der achtsame Umgang mit unserem Planeten. Und oft haben wir auf Reisen sogar die Möglichkeit, die Welt ein kleines bisschen besser zu machen.

Nachhaltig reisen: Planung und Vorbereitung

„Warum in die Ferne schweifen? Sieh, das Gute liegt so nah." Diese bekannten Worte (übrigens an einen Vierzeiler von Goethe angelehnt) sind mittlerweile zum Leitspruch für regionalen Tourismus geworden. Und tatsächlich liegt so manches Traumziel gar nicht so weit vom eigenen Wohnort entfernt. Wer sich im eigenen Land oder innerhalb der europäischen Grenzen umschaut, kann sich die klimaschädliche Flugreise sparen und stattdessen mit dem Reisebus oder Zug fahren. Hierbei ist es wichtig, festzulegen, was genau man sich von einer Reise erhofft. Soll es vor allem um Auszeit und Entspannung gehen? Die ist garantiert auch schon an der Nordsee oder in den Alpen zu finden.

Wer ein ganz konkretes Land kennen lernen will, kommt dabei mitunter nicht um die Flugreise herum. Dann sollte zumindest die Möglichkeit der CO2-Kompensierung genutzt werden. Einfach online die Flugroute in einen Emissionsrechner (zum Beispiel Atmosfair oder myClimate) eingeben und die errechnete Summe einem Klimaschutzprojekt spenden. Bei einem Hin- und Rückflug von Berlin nach Mallorca wären das 17 Euro, nach Cancun in Mexiko schon 131 Euro. Auch das Kompensieren ist aber keine Dauerlösung, denn die Gegenmaßnahmen können gar nicht schnell genug erfolgen, um den Klimawandel zu stoppen.

Außerdem sollte die Reisedistanz Einfluss auf die Dauer des Urlaubs haben. Eine knappe Woche auf den Kanaren oder 10 Tage in Südostasien ergeben sehr wenig Sinn. Die folgende Faustregel hilft bei der Planung: Ab 700 Kilometern Reisedistanz sollte man mindestens acht Tage vor Ort sein, ab 2.000 Kilometern mindestens 15 Tage.

Nachhaltig reisen: Vor Ort

Zum nachhaltigen Urlaub gehört auch, die Wirtschaft des Ziellandes zu unterstützen. Von ortsansässigen geführte Unterkünfte oder AirBnB’s lassen die Einheimischen am Tourismus teilhaben – anders als viele große Luxushotels. Auch Bio-Hotels und Bio-Bauernhöfe tragen zum nachhaltigen Tourismus bei.

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Auch am Zielort gilt es, möglichst umweltfreundliche Verkehrsmittel zu nutzen. In den meisten Städten bietet sich natürlich der öffentliche Nahverkehr an. Auch das ist übrigens eine schöne Gelegenheit, um Land und Leute auf authentische Weise kennenzulernen. Fahrrad- und Wandertouren sind natürlich die unbedenklichsten Varianten. Wer einen Mietwagen bucht, kann sich vielleicht mit anderen Reisenden zusammenschließen, die denselben Ort besuchen wollen.

In anderen Ländern sollte im Hinblick auf Ressourcen und Müll das Gleiche gelten wie zu Hause. Sparen Sie möglichst viel Strom und Wasser (die Klimaanlage möglichst gar nicht erst benutzen) und vermeiden Sie es, Müll zu produzieren. Nutzen Sie eine wiederverwendbare Trinkflasche und lassen Sie diese in Läden und Restaurants wieder auffüllen. Ein Pfandsystem für Plastikflaschen gibt es nämlich leider fast nur in Deutschland. Seien Sie ein Vorbild, was Müll betrifft und achten Sie auf Ihre Umgebung. Gerade in Ländern mit Entwicklungspotenzial ist vielen Menschen nicht bewusst, welchen Schaden Müll in der Natur anrichtet. Wenn Sie am Strand oder im Wald Müll finden, nehmen Sie ihn mit und entsorgen Sie ihn. Wer Sie dabei beobachtet, wird Ihrem Beispiel möglicherweise folgen. Gerade an Stränden gewöhnen sich immer mehr Menschen an, pro Aufenthalt drei Teile Müll mitzunehmen und zu entsorgen.

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Ab und zu ist es wichtig, Nein sagen zu können. Wenn Ihnen überteuerte Souvenirs oder ein Foto mit einem gefangenen Wildtier angeboten werden, müssen Sie Ihren Standpunkt deutlich machen. Gerade Tierquälerei passiert tagtäglich für den Tourismus. Wer nachhaltig reist, muss aber Verantwortung für die Tier- und Pflanzenwelt des Urlaubsortes übernehmen.

Fazit: Nachhaltig gleich langweilig?

Nein. Nachhaltiges Reisen wirkt vielleicht auf den ersten Blick etwas umständlicher, hat aber extrem viele Vorteile. Sie nehmen die neue Umgebung viel intensiver wahr und lernen die einheimische Kultur wirklich kennen. Und es ist ein fantastisches Gefühl, sich mit neuen Menschen zu verbinden und gemeinsam etwas Gutes zu tun. Der Grund dafür, dass wir Menschen so gern reisen, ist schlussendlich, dass unser Planet so atemberaubend schön ist. Gerade Reisende sollten gemeinsam dafür sorgen, dass das auch so bleibt.

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