Kolibris – Juwelen im Rückwärtsflug

Kolibris – Juwelen im Rückwärtsflug

Kolibris werden nur einige Gramm schwer, gehören zu den schnellsten Wirbeltieren der Erde und erhalten ganz nebenbei die amerikanische Pflanzenwelt am Leben.

Vor etwa 42 Millionen Jahren entwickelten sich die Vorfahren der heutigen Kolibris, vermutlich in Eurasien. Sie spalteten sich von den Seglern und Baumseglern ab und gelangten nach Amerika. Dort erwartete die kleinen Vögel ein richtiges Paradies. Gemeinsam mit den vielen verschiedenen Blütenpflanzen teilten sie sich rasend schnell in zahlreiche Gattungen und Arten auf. Heute sind über 300 Kolibris bekannt und es werden noch immer neue Arten entdeckt! Kein Wunder, denn die Vögel besiedeln den gesamten amerikanischen Kontinent – von Alaska bis hinunter nach Feuerland. Außerdem kommen sie noch in der Karibik vor. Die verschiedenen Arten tragen so klingende Namen wie „Kleiner Veilchenohrkolibri" (smaragdfarben mit leuchtend violetten Ohrdecken) oder „Jamaikamangokolibri" (mittelgroße Art, die nur auf Jamaika vorkommt und im Sonnenlicht in allen Farben schimmert).

Kolibris – Winzige Schönheiten

Besonders bekannt sind Kolibris für ihr buntes Gefieder, das sie wie Edelsteine aussehen lässt. Die Farben entstehen allerdings nicht durch Pigmente, sondern durch Lufteinschlüsse in den Federn. Diese sind in mehreren Schichten angeordnet und brechen und reflektieren das Sonnenlicht, so dass die Vögel immer anders aussehen, je nach Lichteinfall. Diesen beeinflussen die cleveren Kolibris durch ihre Bewegungen: So können sie zum Beispiel die Aufmerksamkeit von Weibchen auf sich ziehen oder sich vor Fressfeinden verbergen.

Nicht nur die Farben und Gefiedermuster sind erstaunlich, sondern auch das Größenspektrum der Kolibris. Um das zu veranschaulichen, stellen wir sowohl den kleinsten als auch den größten Vertreter vor. Die Bienenelfe ist nicht nur der kleinste Kolibri, sondern auch der kleinste Vogel der Welt. Sie wird zwei Gramm schwer (eine 1-Cent-Münze wiegt 2,3 Gramm), etwa sechs Zentimeter lang und ihre Eier könnte man mit Erbsen verwechseln. Die zweitkleinste Art ist die Zwergelfe. Sie muss meist keine Revierkämpfe oder andere Auseinandersetzungen befürchten, weil ihre Artgenossen sie einfach für ein Insekt halten. Der Riesenkolibri wiederum ist zwar der größte seiner Art, aber durchaus kein Gigant. Er wird 25 Zentimeter lang und erreicht das Gewicht eines Standardbriefs (20 Gramm).

Die Helikopter des Regenwaldes

Flugkünstler gibt es zwar reichlich in der Vogelwelt, aber keiner kann den Kolibris das Wasser reichen. Auf unzähligen Fotos und Videos sieht man, wie sie mit rasant rotierenden Flügeln in der Luft stehen bleiben oder sich im Rückwärtsflug von einer Blüte entfernen. Das sind noch leichtere Übungen für die „Juwelen der Lüfte", die schließlich auch seitwärts und sogar kopfüber fliegen können.

Kolibris schlagen 40 bis 80 Mal pro Minute mit den Flügeln. Diese bleiben dabei starr gespreizt und werden aus den Schultergelenken heraus bewegt. So entsteht keine typische Auf-und-Ab-Bewegung, sondern die Form einer liegenden Acht. Durch die extrem hohe Geschwindigkeit erzeugen die Flügel ein summendes Geräusch, weshalb der Kolibri im Englischen „hummingbird" heißt. Und die Geschwindigkeit beschränkt sich nicht nur auf die Flügel. Der Annakolibri beispielsweise wird bei seinen Sturzflügen so schnell, dass er die Erdbeschleunigung um das Neunfache übertrifft – mehr schaffen nur Kampfflugzeuge.

Energie ist alles

Natürlich hat so ein Leben auf der Überholspur auch seinen Preis. Kolibris brauchen enorm viel Sauerstoff, sogar mehr als jedes andere Wirbeltier. Im Ruhemodus schlagen ihre Herzen 400 Mal pro Minute, aber im Flug sind es schnell 1.200 Mal – also 20 Herzschläge pro Sekunde! Hinzu kommen bis zu 250 Atemzüge pro Minute, die das Herz mit Sauerstoff versorgen. Außerdem trinken sie jede Menge Nektar und müssen die süße Flüssigkeit etwa alle 15 Minuten zu sich nehmen. Dafür fliegen sie an eine Blüte heran, schieben die lange Zunge aus dem Schnabel und saugen mit ihr den Nektar ein. Etwa 14 Mal pro Sekunde können die Vögel auf diese Weise „tanken". Dabei müssen sie natürlich so effektiv wie möglich vorgehen und merken sich jede Blüte, die sie bereits geleert haben. Bei ein- bis zweitausend Blüten pro Tag ist das eine ganze Menge!

In der Nacht gehen Kolibris nicht auf Nahrungssuche, deshalb müssen sie in eine Art Kältestarre fallen, um weniger Energie zu verbrauchen. Dabei fahren sie ihre Körpertemperatur und die Atmung herunter. Dieser „Ruhemodus" ist so mächtig, dass sich die Vögel morgens eine halbe Stunde lang durch Zitterbewegungen aufwärmen müssen, um wieder fliegen zu können.

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