Die Brunft der Hirsche

Die Brunft der Hirsche

Wenn der Herbst anbricht, lassen es die meisten Wildtiere ruhiger angehen. Sie legen Vorräte für die kalte Jahreszeit an oder futtern, was das Zeug hält. Beim Rotwild dagegen beginnt im September eine extrem anstrengende, aber auch faszinierende Zeit: die Brunft.

Herbstzeit ist Brunftzeit

„Brunft" ist der Begriff für die Paarungszeit beim Rotwild. Sie dauert in Mitteleuropa von September bis Oktober und verlangt gerade den Hirschen einiges ab. Normalerweise leben die Tiere in klaren Gruppen, nach Geschlechtern getrennt. Die Hirsche bilden jeweils Rudel und die Hirschkühe und ihre Kälber leben zusammen mit den Jungtieren aus dem Vorjahr im „Kahlwildrudel". Doch zur Brunft treffen alle aufeinander. Meist suchen die Damen die Brunftplätze aus, diese liegen auf Lichtungen oder am Waldrand. Dort finden sich dann auch die Hirsche ein, um die wesentlichste Frage der Brunft zu klären: Wer ist der Platzhirsch, also das stärkste Tier im Revier?

Wer röhrt am lautesten?

Bevor es zu richtigen Rangeleien kommt, lassen die Hirsche ihre kräftigen Brunftrufe ertönen. Dieses Röhren ist manchmal so laut, dass es kilometerweit zu hören ist, bis in die Ortschaften am Waldrand. Die tiefen, langgezogenen Rufe haben mehrere Effekte. Sie sind natürlich Signale für die Weibchen, dienen aber auch zur Einschüchterung von Rivalen. Dabei gilt eine einfache Rechnung: Wer am lautesten röhren kann, hat demnach auch den mächtigsten Brustkorb, ist also besonders gut gebaut. Wenn ein Platzhirsch röhrt, lassen sich die meisten Konkurrenten davon schon einschüchtern. Nur, wenn einer sich ebenbürtig fühlt, kommt es zum Kampf.

Mächtige Geweihe

Als Waffen dienen die mächtigen Geweihe. Sie sind den Hirschen im Sommer gewachsen, mühevoll haben sie den Bast (eine fellähnliche Haut) an Baumstämmen abgerieben. Die männlichen Tiere können bis zu 250 Kilogramm schwer werden, davon entfallen bis zu 15 Kilogramm auf das Geweih. Treffen nun zwei dieser Kolosse aufeinander, rennen sie aufeinander zu und lassen ihre Geweihe markerschütternd ineinander krachen. So verhakt, versuchen sie sich gegenseitig wegzudrücken, um ihre Kraft zu demonstrieren. Das geht so lange, bis einer der Kämpfenden aufgibt und das Weite sucht. Der Sieger hat „seine" Hirschkühe erfolgreich verteidigt und kann sich mit ihnen paaren. Das tun die Hirsche übrigens mehrmals am Tag.

Nach der Brunft

Den männlichen Tieren verlangt die Brunftzeit alles ab, da sie währenddessen nicht fressen und auch nur wenige Minuten täglich schlafen. Ununterbrochen rufend durchstreifen sie die Gegend, markieren ihre Reviere und verteidigen die Weibchen. Am Ende dieser Zeit kann ein Hirsch ein knappes Viertel seines Körpergewichts verloren haben. Das müssen sie sich nach der Brunft noch eilig anfressen, bevor der Winter kommt.

Befruchtete Hirschkühe haben eine unglaubliche Tragzeit von etwa 230 Tagen. Erst im Mai und Juni bringen sie ihre Kälber zur Welt. So ein Jungtier kann bereits wenige Stunden nach der Geburt auf seinen wackeligen Beinen stehen und der Mutter folgen. Ist es ein kleiner Hirsch, hat er einen langen Weg vor sich, bis er bei den erwachsenen Tieren „mitreden" kann. Mit ungefähr sechs Jahren kann ein Hirsch zum Platzhirsch werden und ein eigenes Rudel erobern.

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