Sterne gucken in Europa: Von den Highlands bis zum Ätna

  Sterne gucken in Europa: Von den Highlands bis zum Ätna

„Ich könnte stundenlang mich nachts in den gestirnten Himmel vertiefen, weil mir diese Unendlichkeit fernher flammender Welten wie ein Band zwischen diesem und dem künftigen Dasein erscheint."

Zwar wird der Blick in den Sternenhimmel nicht jeden zu so tief philosophischen Gedanken anregen, wie Wilhelm von Humboldt sie hatte. Fest steht aber, dass die schimmernden Himmelskörper eine große Faszination auf uns ausüben – vor allem, wenn man sehr viele von ihnen sehen kann. Doch das ist heute viel schwieriger als zu Humboldts Zeiten. In Großstädten werden die meisten Himmelskörper von der Lichtverschmutzung verschluckt. So nennt man das Phänomen, bei dem künstliches Licht (beleuchtete Gebäude, Straßenlaternen, Werbetafeln..) den Nachthimmel überstrahlt. Deshalb wird die Aussicht ins Universum schon viel besser, wenn man nur mal eine kleine Landpartie unternimmt.

Highlands oder Mecklenburg-Vorpommern

Für alle, die mal so richtig in die Sternenbeobachtung eintauchen wollen (vielleicht im Rahmen eines Urlaubs) stellen wir hier eine Auswahl der „dunkelsten Ecken" in Deutschland und Europa vor. Weil es so wenig künstliches Licht wie möglich geben darf, sind das natürlich einsame, kaum bevölkerte Regionen. Ideal für alle, die nicht nur unter die Hobby-Astronomen gehen, sondern auch mal so richtig zur Ruhe kommen wollen.

Im Norden angefangen, bieten sich zum Beispiel die schottischen Highlands an: tolle Natur, wenige Menschen, viele Sterne. Allerdings sollte man hierfür keinen Sommerurlaub einplanen, denn die schottischen Sommernächte sind kurz und nicht dunkel genug. Von Herbst bis Frühjahr hingegen können Sie dort schon mit dem Fernglas in die Details des Sternenhimmels eintauchen. Neben dem Orion-Nebel zeigt sich auch die Andromeda-Galaxie, das fernste Objekt, das sich regelmäßig mit bloßem Auge beobachten lässt.

Auch in Deutschland sind die kühleren Monate mit ihren langen Nächten besser zum Sterne gucken geeignet. Tolle Regionen sind hier zum Beispiel die Mecklenburgische Ostseeküste oder größere Waldgebiete wie der Harz. Die höchst gelegene Sternwarte Norddeutschlands, Sankt Andreasberg, liegt mitten im Nationalpark Harz. Wenn hier nichts zu sehen ist, liegt es definitiv nicht an Lichtverschmutzung, denn der Ort zählt zu den dunkelsten Regionen Deutschlands. Da ist es kein Wunder, dass die Milchstraße oder gar die Andromeda-Galaxie an vielen Tagen schon mit bloßem Auge zu sehen sind.

Sterne gucken in den Bergen

In Bayern befindet sich zum Beispiel der Sternpark Winklmoosalm. Die 1.200 Meter hoch gelegene Alm bietet nicht nur Sternbeobachtung ohne Licht- und Luftverschmutzung, sondern auch direkte Übernachtungsmöglichkeiten. Auch die Österreicher und Schweizer Alpen ermöglichen einen großartigen Blick in den Sternenhimmel. Abseits der größeren Städte verzieren Sternbilder wie Wassermann oder Schwan den Himmel und sind für den Laien in der enormen Sternenflut kaum noch zu erkennen.

Und weiter südlich?

Richtung Mittelmeer sind Länder wie Kroatien erwähnenswert. Hier ist vor allem das Innere des Landes dünn besiedelt und daher von Lichtverschmutzung verschont. Aber auch auf Bergen wie dem Srd bietet sich ein toller Himmelsblick. Besucher erreichen den Gipfel am besten über die Seilbahn, die in Dubrovnik startet und im Sommer bis Mitternacht in Betrieb ist. Auch auf Sizilien geht es hoch hinaus. Der Ätna ist nicht nur der höchste aktive Vulkan Europas (3.323 Meter), sondern auch ein tolles Ziel für Sterngucker. Denn der Ätna liegt glücklicherweise in einem kaum beleuchteten Naturschutzgebiet. Auf den Kanarischen Inseln können Sie die Großteleskope auf La Palma in die Reise einplanen oder einfach ein Fernglas einpacken. Hier sind Sternbilder wie Skorpion oder Großer Hund sichtbar, die sich im übrigen Europa nur in Bruchstücken zeigen.

Auch wenn Metropolen ihr Licht in den Himmel streuen und Städte immer weiter wachsen, gibt es zum Glück immer noch Regionen, in denen die Dunkelheit vorherrscht. So können wir in die Geheimnisse der Nacht eintauchen und uns vorstellen, was Wilhelm von Humboldt empfand, als er vor über 200 Jahren in die sternenbesetzte Weite sah.

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