Amazonas-Regenwald: Artensterben im Feuer

Amazonas-Regenwald: Artensterben im Feuer

Das dramatische Ausmaß der Brände im Amazonas dürfte niemandem entgangen sein. Aber was bedeuten sie eigentlich für die Tierwelt?

Uraltes Naturwunder

Brasilien ist beinahe so groß wie ganz Europa. Im Norden ist der Staat vom Amazonas-Regenwald bedeckt, einem Naturschatz mit unglaublicher Artenvielfalt. Jede zehnte aller weltweit bekannten Tierarten lebt im Amazonas-Gebiet. In genaueren Zahlen sind das etwa 2,5 Millionen Insektenarten, 1.300 Vogelarten, über 400 Säugetier- und etwa 800 Reptilien- beziehungsweise Amphibienarten. Nicht zu vergessen die etwa 40.000 Pflanzenarten. Diese Vielfalt ist bei genauerem Hinsehen ein erklärbares Wunder, schließlich gedeiht der Regenwald schon seit Millionen von Jahren. Selbst in den Eiszeiten, die immer wieder auftraten, verschwand er nicht ganz, sondern schrumpfte zu so genannten Refugien zusammen. Aus diesen klimatisch günstig gelegenen Rückzugsgebieten breitete sich der Wald dann in jeder Warmzeit wieder aus. Und eigentlich befände er sich aktuell erneut in einer solchen Phase des Wachstums – wäre da nicht der Mensch.

Die Brände im Amazonas-Gebiet

Schon seit Wochen wüten verheerende Brände im brasilianischen Regenwald. Sie sind so gewaltig, dass man die Rauchschwaden sogar vom Weltraum aus sehen kann.

Aus wirtschaftlicher Sicht geht es schon lange nicht mehr um die Verwertung der Tropenhölzer. Vielmehr wird der Wald als ärgerliches Hindernis wahrgenommen, das beseitigt werden soll. Denn die Bauern brauchen Platz für ihr Vieh und den Anbau von Soja. Zu diesem Zweck nutzen sie Brandrodungen, häufig auch illegal. Da es in den letzten Monaten sehr trocken war, konnten diese absichtlich gelegten Feuer schnell um sich greifen und gerieten außer Kontrolle.

Die brasilianische Polizei ermittelt zwar inzwischen wegen Brandstiftung (Link: https://www.zeit.de/politik/ausland/2019-08/amazonas-waldbraende-brasilien-brandstiftung-ermittlung-polizei), doch der Schaden ist angerichtet, die Feuer wüten Tag und Nacht weiter. Das ist auch deshalb fatal, weil der Regenwald im Grunde seinen eigenen Wasserkreislauf betreibt. Die riesigen Bäume geben Wasser über ihre Blätter ab, welches verdunstet und als Regen wieder niederfällt. Wenn es aber immer weniger Bäume gibt, wird dieser Kreislauf gestört und es droht eine noch viel stärkere Austrocknung.

Folgen für die Tierwelt

Doch das sind Langzeitfolgen. Aktuell ist die Tier- und Pflanzenwelt natürlich vor allem durch die Feuer bedroht. Schnelle, mobile Tiere wie Raubkatzen oder Vögel können den Flammen zunächst noch entkommen (wenn sie nicht eingekesselt werden). Doch kleinere Tiere wie Frösche und Echsen, ebenso Küken und andere Jungtiere, sind nicht schnell genug. Auch Faultiere oder Ameisenbären bewegen sich zu langsam und müssen qualvoll an Verbrennungen und Rauchvergiftungen sterben. Affen können auf der wilden Flucht von Baum zu Baum die falsche Krone erwischen. Auch kleinere Gewässer sind nach kurzer Zeit keine sicheren Zufluchtsorte mehr, wenn das Feuer direkt darüber lodert.

Manche Tierarten sind ohnehin schon selten oder leben nur in einer bestimmten Region. Dazu gehört etwa der Feuerschwänzige Springaffe. Die Art wurde erst vor einigen Jahren entdeckt und lebt im Süden des Amazonas-Gebietes, wo gerade die schlimmsten Flammen wüten. Etwa alle drei Tage (!) wurde in den vergangenen Jahren eine neue Art im Amazonas-Gebiet entdeckt. Es ist also anzunehmen, dass Arten in Gefahr sind, die wir aufgrund der Brände vielleicht nie kennen lernen werden.

Für das Ökosystem werden sich durch die Brände katastrophale Langzeitfolgen einstellen. Die Pflanzen am Boden werden normalerweise durch die gewaltigen Bäume vor zu viel Sonnenlicht geschützt. Doch nun reißt das Feuer Löcher in dieses natürliche Dach, der ganze Energiehaushalt ändert sich. Was das für Kettenreaktionen auslösen wird, können Forscher noch gar nicht vollständig abschätzen. Insgesamt wird sich alles in einem kleineren Lebensraum abspielen, die Tiere müssen mit mehr Konkurrenzdruck und kleineren Lebensräumen zurechtkommen. Vielen von ihnen wird durch das Feuer die Nahrungsgrundlage entrissen.

Wem gehört der Regenwald?

Neben den Auswirkungen auf die Artenvielfalt ist auch der Klimawandel ein wichtiger Faktor. Der Regenwald gilt nicht umsonst als grüne Lunge unseres Planeten. Schließlich absorbiert er pro Jahr mehrere Millionen Tonnen CO2. Brennt der Wald, gibt er das Treibhausgas in die Atmosphäre ab und verstärkt die Erderwärmung. Diese Entwicklung wirkt sich nicht nur auf Brasilien, sondern auf die ganze Welt aus. Wem also gehört der Regenwald? Was ist wichtiger: Profit oder ein intaktes Ökosystem?

https://www.instagram.com/p/B2BfaMLCN5Z/

Themenarchiv