Wisente in den Wittgensteiner Wäldern

Wisente in den Wittgensteiner Wäldern

Wisente wanderten eigentlich schon vor sehr langer Zeit durch die europäischen Wälder. Höhlenmalereien, die vor über 30.000 Jahren angefertigt wurden, zeigen bereits die massigen Gestalten von Wisenten, mit ihrem üppigen Fell und dem riesigen Kopf. Sie werden bis zu drei Meter lang und bis zu zwei Meter hoch – kein Wunder, dass man den Wisent auch als Europäischen Bison bezeichnet. Doch die großen Hornträger konnten sich nicht dauerhaft in Europa halten. Das letzte frei lebende Exemplar wurde 1927 im Kaukasus geschossen, in Deutschland waren die Tiere bereits hunderte von Jahren ausgestorben.

Um wieder frei lebende Wisente in Deutschlands Wäldern anzusiedeln, startete 2013 das Projekt der „Wisent-Welt". Die beiden Jungkühe Fasel und Faye machten den Anfang, mittlerweile gehören mehr als 20 Tiere zur Herde. In dem mehrere Tausend Hektar großen Waldgebiet dürfen sie frei umherstreifen – keine Zäune, keine Grenzen. Es ist ein Experiment, das dem Sauerland einen faszinierenden Teil seiner alten Wildnis zurückgibt. Außerdem füllen die Wisente eine Lücke im Ökosystem: Sie können dickere Zweige und Sträucher verdauen und halten so Lichtungen frei, die andere Tiere (etwa Vögel und Insekten) zum Leben brauchen. Touristisch gesehen ist das Projekt ebenfalls ein Erfolg, denn eine Wanderung ist natürlich gleich viel spannender, wenn hinter jeder Ecke eine wilde Wisent-Herde auftauchen könnte. In den allermeisten Fällen sind Begegnungen zwischen Menschen und Wisenten bisher sehr friedlich verlaufen. Die Tiere sind von Natur aus scheu und ziehen sich am liebsten tief in den Wald zurück.

Dort fressen sie allerdings auch manches, wovon sie lieber die Zähne lassen sollten. Zum Beispiel Baumrinde. Verschiedene Bauern, die vom Verkauf dieser Bäume leben, wollen die Wisente daher nicht auf ihrem Grund und Boden. Denn in die angefressene Rinde können Schädlinge eindringen, die schließlich den ganzen Baum schwächen. Bauern und Wisent-Schützer arbeiten schon seit längerer Zeit an einer gemeinsamen Lösung.

Wer nun gerne einmal Wisente sehen möchte, ohne eine stundenlange Suche auf sich zu nehmen, dem wird in der zusätzlich eingerichteten „Wisent-Wildnis" in Bad Berleburg geholfen. Auf 20 Hektar lebt hier eine zweite Herde. Das Areal wurde sehr liebevoll gestaltet: Felsen, Bäche, Täler und Waldstücke wechseln sich ab. Ein drei Kilometer langer Wanderpfad führt durch das Gebiet. Die Besucher kommen hier durch einen Tunnel in Form eines Dachsbaus oder wandern durch einen Bachlauf. Praktische Gucklöcher erlauben Blicke auf die sanften Riesen, die sich auf diese Weise nicht gestört fühlen. Wer dann noch mehr über die Tiere erfahren will, findet in der alten Landratsvilla in Bad Berleburg eine informative Ausstellung. Sie orientiert sich am Weg der Wisente, von ihrem ersten Auftritt in der Weltgeschichte bis hin zu ihrem heutigen Leben im Rothaargebirge. Viele interaktive Stationen laden zum Erleben und Mitmachen ein, der Eintritt ist frei.

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