Revolutionär der Naturwissenschaft: Alexander von Humboldt

Revolutionär der Naturwissenschaft: Alexander von Humboldt

Alexander von Humboldts Erkenntnisse über das Wesen der Natur prägen unsere Forschungen bis heute. Er erkannte, dass alles miteinander verbunden ist.

Alexander von Humboldt hatte die besten Voraussetzungen, um ein ebenso angenehmes wie interessantes Leben in seiner Heimat Preußen zu führen. Er wurde 1769 in eine wohlhabende, königstreue Familie hineingeboren. Sein Vater war Offizier, der spätere König Friedrich Wilhelm II. gehörte zu Alexanders Taufpaten. Seine Zeitgenossen waren große Persönlichkeiten wie Mozart, Kant, Schopenhauer, Schiller und Goethe. Besonders mit diesem Dichterfürst verband Alexander eine inspirierende Freundschaft.

Verliebt in die Natur

Warum also in die Ferne schweifen? Schon in jungen Jahren interessierte sich Humboldt sehr für die Naturwissenschaften. Sein Herz schlug vor allem für die Botanik, aber auch Geologie, Physik und Ozeanologie. Diese Leidenschaften übt er anfangs selten mit der Nase in den Büchern aus, sondern beschäftigt sich lieber direkt mit Steinen, Insekten und Pflanzen. Darum sind seine Noten nicht die besten. Seine Eltern beobachten diese Entwicklung besorgt, Alexander wird immer wieder mit seinem älteren Bruder Wilhelm verglichen. Doch trotz aller Zweifel von außen schließt der 22-jährige Alexander ein Bergbaustudium ab und beginnt eine Laufbahn als Bergwerksinspektor. Dann, 1796, stirbt seine Mutter und hinterlässt beiden Söhnen ein stattliches Vermögen. Für Alexander war sofort klar, wozu er dieses Geld benutzen wollte: Reisen, die Welt sehen, unbekannte Orte entdecken, Ozeane überqueren.

Abschied von „Schloss Langweil"

Während der ältere Bruder auf „Schloss Langweil", wie Alexander den Familiensitz nannte, zurückbleibt, bereitet er selbst seine Expeditionen vor. Er beginnt ein Anatomiestudium und übt sich darin, meteorologische und geografische Messungen durchzuführen. In Paris lernt er seinen späteren Reisepartner kennen: den Arzt und Botaniker Aimé Bonpland. Die beiden Männer werden dem spanischen König empfohlen und bekommen Forscherpässe für dessen Kolonien in Süd- und Mittelamerika. 1799 heißt es: Leinen los! Alexander und Aimé packen Sextant, Fernrohr, Teleskop, Längenuhr, Barometer und Thermometer zusammen und überqueren den Atlantik.

Fünf Jahre auf Expedition

Nach 21 Tagen und einem Zwischenstopp auf Teneriffa landen sie am 16. Juli 1799 in Cumaná, Venezuela. Vor ihnen liegt eine jahrelange Expedition, die sie nach Kuba, durch die Anden, an die peruanische Küste und nach Mexiko führen wird. Humboldt erfasst dabei eine gigantische Menge an Daten aus den unterschiedlichsten Wissensgebieten, darunter Erdmagnetismus, Landwirtschaft und Meereskunde. Kein Wunder, will er doch das Zusammenwirken aller Kräfte in der Natur verstehen und dem großen Ganzen auf die Spur kommen.

Bergsteiger im Frack

Man darf bei diesen großartigen Reiseschilderungen nicht vergessen, unter welchen Bedingungen die Forscher unterwegs waren. Im Regenwald waren Moskitos und Malaria noch die geringsten Probleme. Alexander von Humboldt entging mehrmals knapp dem Tod. Er machte Selbstversuche mit Zitteraalen und Giften, wurde von Krokodilen gebissen und bestieg den über 6.000 Meter hohen Chimborazo im heutigen Ecuador. Was Menschen heute nur noch mit teurer Ausrüstung und professioneller Anleitung tun, tat er in Frack, Hut und Rokoko-Stiefelchen. Bald kämpfte er mit blutenden Lippen und Augen, die Höhenkrankheit löste starken Schwindel aus. 600 Meter unter dem Gipfel zwang ihn eine Felsspalte schließlich zur Umkehr.

Ein Lebenswerk macht die Runde

Noch während der Zeit in Amerika schickt Humboldt seine Fundstücke kistenweise nach Hause. Bei seiner Rückkehr wird ihm ein rauschender Empfang beschert, bei seinen Vorträgen hängt das Publikum an seinen Lippen. Und auch auf dem Schriftweg teilt er seine Erkenntnisse. Man geht heute davon aus, dass er in seinem Leben rund 50.000 Briefe verfasste – 13.000 davon sind heute noch erhalten.

Humboldt: Heute wichtiger denn je

Davon abgesehen, dass 19 Tierarten, 17 Pflanzen, zwei Gletscher, acht Berge und Gebirge, ein Fluss, zwei Asteroiden, ein Mondmeer, ein Mondkrater, ein Flughafen und unzählige Schulen Alexanders Namen tragen, hat er uns etwas unschätzbar wichtiges hinterlassen. Es ist die Erkenntnis, dass alles in der Natur miteinander zusammenhängt. Er entdeckte Klima- und Vegetationszonen und wie sie sich auf Pflanzen und Tiere auswirken. Vor allem aber erkannte er bereits, dass der Mensch mit seinem Handeln das Klima beeinflusst. Er erkannte, wie Rodungen, künstliche Bewässerung und künstlicher Ausstoß von Gas und Wärme das Klima verändern können. Die Historikerin Andra Wulf nannte ihn den „ersten Umweltschützer auf unserem Planeten".

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