Eine Reise zu den historischen Theatern Deutschlands

Eine Reise zu den historischen Theatern Deutschlands

Die Europäische Route Historische Theater verbindet, wie der Name schon sagt, geschichtlich bedeutsame Theater in Europa miteinander. Aktuell nehmen 120 Theater aus der Zeit zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert teil. Um das Projekt übersichtlicher zu gestalten, teilte man die große Route in mehrere kleinere auf, die jeweils zehn bis 12 Theater umfassen. Dazu gehört auch die Deutschland-Route, welche 2007 eröffnet wurde. Sie führt von Putbus auf der Insel Rügen bis nach Koblenz in Rheinland-Pfalz und vereint in sich zwölf historische Theater aus acht verschiedenen Bundesländern. Hier stellen wir einige Highlights der Strecke näher vor.

Neubrandenburg, Potsdam, Bad Lauchstädt

Mit seinem Schauspielhaus beherbergt das mecklenburgische Neubrandenburg einen sehr alten Fachwerkbau, der 1787 erstmals erwähnt wurde. Nach 100 Jahren als Theater wurde das Gebäude weitere 100 Jahre zweckentfremdet, zum Beispiel als Motorradmontagehalle oder Schneiderwerkstatt. Seit 1994 bietet es wieder Platz für 200 Theaterbesucher. Im Spielplan finden sich neben Theaterstücken auch Lesungen, Musiktheater und Konzerte.

Das Schlosstheater im Neuen Palais von Potsdam in Brandenburg entstand zwischen 1763 und 1769 unter Friedrich II. Es ist ein prachtvolles Beispiel des Rokoko und zählt zu den schönsten noch erhaltenen Theaterräumen des 18. Jahrhunderts. Mit seinen halbrund angeordneten Sitzreihen und der prunkvollen Säulenarchitektur nimmt es die beiden oberen Stockwerke des ganzen Südflügels ein. Eine Königsloge sucht man hier vergebens, denn Friedrich der Große erlebte die Aufführungen aus der dritten Parkettreihe. Aktuell wird das Theater restauriert, 2020 soll es wieder eröffnen.

Das Goethe-Theater in Bad Lauchstädt (Sachsen-Anhalt) wurde 1802 nach den Vorstellungen des berühmten Dichterfürsten errichtet, um ihm als Sommerspielstätte zu dienen. Die Bühnentechnik der Erbauungszeit wurde restauriert und ist bis heute funktionsfähig: sechs Versenkungen und drei Dekorationen, die auf offener Bühne gewechselt werden können.

Gotha und Ludwigsburg

Im Westturm von Schloss Friedenstein im thüringischen Gotha befindet sich ein besonderer Schatz der deutschen Theatergeschichte. Das Ekhof-Theater wurde 1681 bis 1683 errichtet und ist heute in der Fassung von 1775 erhalten. Außerdem werden Teile der Bühnenmaschinerie aus dem 17. Jahrhundert bis heute eingesetzt, darunter Kulissenwagen und Versenkungen. Alles wird über Seilzüge manuell bedient. Auch die original rekonstruierte Wind- und Donnermaschine kommt noch zum Einsatz.

Im Ludwigsburger Schlosstheater in Baden-Württemberg ging im Mai 1758 zum ersten Mal der Vorhang auf. Das Logen-Rangtheater beeindruckt nicht nur mit seinem klassizistischen Zuschauerraum. Rund 140 Kulissen und Dekorationen aus dem 18. und 19. Jahrhundert sind hier erhalten geblieben. Einiges davon kann man im Theatermuseum bewundern. Dort sind auch Geräuschmaschinen und die geniale historische Bühnentechnik ausgestellt (der Eintritt ist frei).

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