Die Sterngucker unter den Tieren

Die Sterngucker unter den Tieren

Robben, Vögel, Insekten: Diese Tiere navigieren mithilfe des Sternenhimmels

Schon 7.000 vor Christus begannen die Menschen, die Ozeane zu befahren, um Handel zu treiben und neue Ufer zu erreichen. Natürlich gab es damals weder Radar noch Satelliten, nicht einmal den Kompass. Um den richtigen Weg zu finden, mussten sich die Menschen auf das verlassen, was sie sahen: die Küstenlinie, den Stand der Sonne oder den Sternenhimmel. Wer zum Beispiel in den Norden segeln wollte, orientierte sich nachts am hell leuchtenden Polarstern.
 
Noch heute können wir die Fixpunkte am nächtlichen Himmel zur Orientierung nutzen – und damit sind wir nicht die einzigen! Denn es gibt auch einige Tiere, die sich auf der Suche nach Nahrung oder Artgenossen auf den Himmel verlassen.
 

Seehund

Seehunde jagen nachts im Meer nach Fischen, wobei sie sich kaum an Landmarken orientieren können. Die Meeressäuger mit den schwarzen Knopfaugen nutzen stattdessen bestimmte Leitsterne, die sie von den anderen Himmelskörpern unterscheiden können. Dass sie dazu in der Lage sind, bewies ein Wissenschaftlerteam im Jahr 2008. Für ihre Forschung hatten sie zwei Robben in einem Becken schwimmen lassen und an die Decke darüber den Sternenhimmel projiziert. Die Tiere wurden nun darauf trainiert, auf einem bestimmten Stern zu achten und ihm zu folgen. Die Wissenschaftler richteten den künstlichen Himmel immer wieder anders aus. Das war für die Seehunde allerdings kein Problem: Sie folgten mit großer Genauigkeit dem zuvor bestimmten Stern.
 

Indigofink

Dieser prachtvoll gefärbte Vogel brütet in Nordamerika, macht sich im Winter aber auf den Weg in den wärmeren Süden. 1967 fingen Wissenschaftler einige Exemplare ab und brachten sie in ein Planetarium. Indigofinken zeigen ihre Flugrichtung bereits vor dem Start an, indem sie in die entsprechende Richtung hüpfen. Als man ihnen den natürlichen Sternenhimmel zeigte, führten sie dieses Verhalten auch normal aus. Dann wurde es spannend: Die Forscher veränderten die Konstellation der Sterne um den Nordstern. Daraufhin konnten sich die Vögel plötzlich nicht mehr orientieren. Das brachte das Team zu dem Ergebnis, dass sich die Finken nachts an der Position des Nordsterns orientieren, um den Weg Richtung Süden zu finden.
 

Mistkäfer

Selbst ein so kleines Tier wie der Mistkäfer orientiert sich an der Weite des Himmels. Genauer gesagt: Am Mond oder der Milchstraße. Aber wohin will der Mistkäfer denn überhaupt? Wie der Name schon sagt, interessieren sich die schwarzen Insekten sehr für frischen Dung. Daraus rollen sie eine Kugel und wollen diese möglichst schnell mitnehmen, um keinem diebischen Artgenossen zu begegnen. Mit ihren Facettenaugen sehen sie zwar keine einzelnen Sterne, können aber das Licht des Mondes oder der Milchstraße wahrnehmen. An diesen Elementen richten sie ihren Weg aus, um möglichst geradlinig zu laufen. Vor allem in Südafrika, wo die Milchstraße deutlicher zu sehen ist als in Mitteleuropa, klappt das wunderbar.
 

Themenarchiv