Wintersport: Stressfaktor für Wildtiere

Wintersport: Stressfaktor für Wildtiere

In den deutschen Mittelgebirgen und vor allem in den Alpen ist der Wintersport nicht mehr wegzudenken. Aber wie reagieren eigentlich die Tiere auf Skifahrer und Wanderer?

Höher, steiler, länger – in den großen Skigebieten läuft der Konkurrenzkampf auf Hochtouren. Wer lockt die meisten Touristen an? Wo gibt es die aufregendsten Pisten? Neben dem Skifahren liegen auch Schneeschuh-Touren und Winterwandern groß im Trend. Je mehr Menschen in die Berge kommen, desto größer wird allerdings auch das Bedürfnis nach Ruhe und dem ungestörten Naturerlebnis. Sportler verlassen die Pisten oder wandern einfach querfeldein in die Landschaft. Wer dann ein Birkhuhn oder einen Schneehasen sieht, freut sich vielleicht über das besondere Erlebnis. Beim Tier löst so eine Begegnung aber meistens Stress aus, der sogar tödlich enden kann.

Wintersport und Wildtiere – Eine gefährliche Kombi

Der Winter ist im Tierreich eine entscheidende Phase. Nur die stärksten und gesündesten überleben die kalte und karge Jahreszeit. Sie legen Vorräte an, bekommen ein dickes Fell oder halten Winterschlaf. Es geht vor allem um eines: Energie sparen. Deshalb schränken die meisten Tiere ihre Aktivität ein, legen keine großen Strecken mehr zurück und senken ihre Körpertemperatur. Ein typisches Beispiel hierfür ist das Rotwild. Wenn nun plötzlich ein Skifahrer den Hang hinunterrauscht und einen Hirsch erschreckt, kennt dieser nur noch ein Ziel: Flucht! Der Körper wird „hochgefahren" und verbraucht in kurzer Zeit sehr viel Energie. Das ist extrem anstrengend und der Hirsch muss schnell genug fressen, um seine Reserven wieder aufzufüllen. Doch gerade zur Wintersportzeit, wenn viel Schnee liegt, findet er kaum genug zu fressen. Ein Teufelskreis, der für das Tier tödlich enden kann.

Von diesem Problem sind auch Gämsen, Steinböcke, Schneehasen und Raufußhühner (Auerhuhn, Birkhuhn, Haselhuhn und Schneehuhn) und viele andere Vögel betroffen. Die Birk- und Schneehühner haben noch ein weiteres Problem. Sie graben sich oft im Schnee ein und sitzen dann knapp unter der Oberfläche. Besonders gern machen sie das an vermeintlich einsamen Hängen – und werden dort dann von Wintersportlern überfahren.

Wintersport und Wildtiere – Das können Sie tun

  • Bleiben Sie unbedingt auf den ausgewiesenen Pisten, Wegen und Aufstiegsrouten. Tiere können sich an eine dauerhafte Störung gewöhnen, vorausgesetzt, dass sie immer am selben Ort stattfindet. Beim Deutschen Alpenverein finden Sie naturverträgliche Touren.
  • Vermeiden Sie Wintersport zur Dämmerungs- und Nachtzeit. Gerade Stirnlampen und Flutlicht stören die Tiere bei der Nahrungsaufnahme.
  • Bleiben Sie auf den Freiflächen und kommen Sie Waldrändern, Dickichten und Gehölzen nicht zu nahe – sie dienen den Tieren als wertvolle Rückzugsorte.
  • Respektieren Sie Hinweisschilder und Banner, die einen Bereich als gesperrt ausweisen.

Insgesamt gilt es zu bedenken, dass der Mensch nach einem Tag auf der Piste einfach zu Heizung und Kühlschrank zurückkehren kann. Für die Wildtiere hingegen bedeutet jeder Tag einen Kampf ums Überleben. Sie sollten nicht auch noch zusätzlich unter unserem Freizeitvergnügen leiden.

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